Eine Zeitreise in den Ersten Weltkrieg

„Eine völlig zerfetzte französische Flagge…“. So begann der Vortrag von Anette Schweigart in dem 15.000 m2 großen Museum in Ingolstadt. Sofort kehrte Stille ein und alle hörten gespannt den Worten des Guides zu. Als wir durch die nachgebaute Ehrenpforte gingen, die mit verschiedenen Wappen versehen war, betraten wir den ersten Ausstellungsraum.

Dort tauchten wir in die ernsthafte Welt des Ersten Weltkrieges ein, die schon im Kindesalter begann. Statt Superman als Held hatten die Kinder die eifrigen Soldaten als ihre Vorbilder und kleideten sich dementsprechend zu besonderen Anlässen in Uniform. Wichtige Begriffe in der Schule waren Vaterlandsliebe und Treue, außerdem fand man in jedem Klassenzimmer ein Bild von Kaiser Wilhelm.

Im nächsten Raum angekommen, wurden wir von einem 78 kg schweren Maschinengewehr überrumpelt, das 1884 von Maxim Hieram erfunden wurde, der zuvor Küchengeräte produzierte.

Direkt im Anschluss wurden wir durch einen Schwarzweißfilm in die Kriegsrealität entführt. Nach 43 Jahren längster Friedenszeit wurde der Krieg mit Freude empfangen. Eine Propaganda war: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts!“

In den anschließenden Zimmern sind wir der Ausrüstung der Soldaten nähergekommen. Wir mussten nicht nur zuhören, sondern durften auch einen 11 kg schweren Rucksack anprobieren oder eine Pickelhaube aufsetzen. Ein weiteres Merkmal der Soldaten waren die Stiefel, die in 200 verschiedenen Größen angefertigt wurden. Kaum zu vorstellbar, dass sich jemand auf das Leben eines Soldaten gefreut hat!

Nicht nur an der Front sondern auch in der Heimat litten die Menschen. Dabei ging es nicht nur um den Hunger sondern auch um die ständige Angst, einen Familienangehörigen zu verlieren. Auf sogenannten Verlustlisten wurden die Gefallenen und die Verwundeten aufgelistet.

Das Highlight der Führung und auch das Besondere am Armeemuseum ist der Schützengraben, der maßstabsgetreu nachgebaut wurde. Die mit Sandsäcken gepolsterten Wände bildeten einen Gang, der in der Realität häufig überflutet war. Der hier mit Holzbrettern ausgelegte Boden bestand im Kriegsgebiet aus Schlamm und Kot, den die Soldaten oftmals in den gegnerischen Graben schleuderten. Als Schutz gegen die gegnerischen Soldaten wurden Stacheldrähte über den Wänden angebracht. Wir bemerkten ein etwas unheimliches Gefühl in der Magengegend, als wir in den nachgestellten finsteren Himmel blickten.

Aufgrund der großen Verluste von Menschen und Tiere wurden nun auch weiße Pferde, die anfangs zu auffällig galten, mit Schlamm beschmiert. Zudem wurden Hunde und Tauben als Botschaftsüberbringer genutzt. Katzen wurden als „Giftgaserschnüffler“ aber auch als Heimatgefühl in Gräben gehalten.

Der dritte Schwarzweißfilm handelte von dem übermäßigen Waffeneinsatz, bevor wir einen im Kriegsgebiet neutralen Ort erreichen: das Lazarett.

Durch den Mangel an Wissen war Amputation die häufigste Behandlung. Zu weiteren Behandlungsfällen gehörten auch das Herausholen von messerscharfen Granatsplittern und Patronen.

Nach vier Jahren Krieg war der Ruf nach Brot und Frieden sehr groß, wodurch eine Revolution in Deutschland startete.

Am 11.11.1918 wurde von Philipp Scheidemann die Republik ausgerufen.

Der Abschluss des zweistündigen Vortrags war ein letzter Schwarzweißfilm, der vom Friedensvertrag in Versailles handelte.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass der 1. Weltkrieg der bisher größte geführte Krieg mit 60 Millionen eingesetzten Soldaten, davon 2 Millionen Deutschen, gewesen ist. Darüber hinaus sind 10 Millionen Menschen gestorben und 20 Millionen wurden verwundet. Zum Ende des Films wurde das Bild bunt, was darauf hindeutete, dass wir trotz der fatalen Folgen weiterhin unnütze Kriege führen.

Mit der Frage: „Wie beschreibt ihr den Krieg in einem Wort?“ wurde der Vortrag beendet. So wurde uns die Brutalität und letztendlich die Sinnlosigkeit noch einmal vor Augen geführt.